Nützliche Informationen für Gastgeber*innen von Flüchtenden aus der Ukraine

Campax macht weder Direktvermittlung zwischen Gastfamilien und Geflüchteten, noch sind wir für die Betreuung der Gastfamilien und Geflüchteten zuständig. Wir sind jedoch in der Lage, die nötigen Prozesse durch die Bereitstellung einer Vermittlungssoftware zu vervielfachen und zu beschleunigen. Wir arbeiten dazu eng mit der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) und den Behörden zusammen. Diese nehmen die Vermittlung vor. Ausserdem informiert Campax Gastfamilien sowie Geflüchtete ausführlich über diverse Themen.

Eine erfolgreiche Platzierung von Geflüchteten bei Gastfamilien erfordert viel Wissen und Fingerspitzengefühl. Dies entspricht nicht unserer Kernkompetenz. Mit dieser Aufgabenteilung profitieren Gastfamilien und Geflüchtete von einer effizienten Vermittlung sowie von gebündeltem Know-how der involvierten Organisationen. Auch kann nur so eine professionelle Betreuung nach der Vermittlung gewährleistet werden.

Humanitäre Tradition aktiv leben

Es ist Zeit, dass auch wir in der Schweiz unseren Teil leisten und helfen, die Leiden der Kriegsfolgen zu lindern; als mitfühlende Menschen, als Volk mitten in Europa und nicht zuletzt als Erben der grossen humanitären Tradition unseres Landes verpflichtet. Wir alle können etwas dazu beitragen. Zum Beispiel, indem wir bereit sind, Flüchtende für die Zeit der Not bei uns aufzunehmen. Und damit meinen wir: Bei uns zu Hause, wenn die offiziellen, behördlichen Möglichkeiten nicht ausreichen. Trage Dich heute ein und gib an, wie viele Menschen Du beherbergen kannst.

Politik und Behörden sind für die Einreise von Flüchtenden zuständig, wir werden bei Bedarf Deine Bereitschaft zur Aufnahme von Geflüchteten mit den zuständigen kantonalen oder nationalen Verantwortlichen teilen.

Unterstützung für Aufgenommene und Hosts

Hast Du eine oder mehrere Personen bei Dir aufgenommene bzw. hast Du einen Host gefunden und ihr habt Probleme? Gibt es Unstimmigkeiten oder starke Kommunikationsschwierigkeiten?
Wende Dich dafür bitte an das entsprechende kantonale Migrationsamt oder an die Schweizerische Flüchtlingshilfe.
www.fluechtlingshilfe.ch
+41 31 370 75 75
[email protected]

FAQ - Fragen & Antworten

Was passiert, nachdem ich mich als Unterkunft angemeldet habe?

Die Daten werden in unserer Liste möglicher Unterbringungsplätze aufgenommen. Sobald eine Vermittlung möglich ist, werden Sie von uns oder von einer unserer Partnerorganisationen in den Bundesasylzentren kontaktiert. Auf unserer Webseite werden wir zudem laufend weitere Informationen zur Verfügung stellen. Nach erfolgreicher Platzierung erhalten die Gastfamilien und Gäste durch die zuständige Betreuung eine gegenseitige Vereinbarung zur Unterzeichnung. Die Zuständigkeit variiert je nach Kanton. Hier finden Sie eine Übersicht.

Können auch unbegleitete Minderjährige und/oder Waisenkinder bei uns wohnen?

Vulnerable Personen, unbegleitete Minderjährige oder Personen mit spezifischen gesundheitlichen Bedürfnissen werden in der Regel nicht in Privathaushalte vermittelt. Für sie stehen professionelle Strukturen mit den notwendigen Betreuungsangeboten zur Verfügung.

Kann man sich auch aussuchen, wer dann aufgenommen wird?

Es ist möglich auf dem Anmeldeformular unter Bemerkungen spezifische Präferenzen anzugeben (z.B. Familie oder Einzelperson). Die Berücksichtigung kann aber nicht garantiert werden. Sie werden in jedem Fall vor einer Platzierung durch die zuständige Partnerorganisation kontaktiert und um Ihr Einverständnis gefragt.

Arbeitet Campax mit den Behörden zusammen?

Ja, Campax koordiniert die Aufnahme von Flüchtenden subsidiär (zusätzlich/aufbauend) zum Flüchtlingsaparat des SEM. Informationen zu Flüchtlingsaufnahmeplätzen werden an die entsprechenden Behörden weitergeleitet.

Was sind die Mindestanforderungen an eine Unterkunft?

Grundsätzlich gibt es keine formellen Anforderungen. Es ist nicht nötig, dass Du eine Fremdsprache sprichst. Wichtig wäre jedoch, dass die Geflüchteten mindestens 90 Tage bei Dir bleiben können. Zusätzlich ist es wichtig, dass pro 3 Erwachsene Personen mindestens 1 Zimmer verfügbar ist. Das Wohnzimmer oder der Keller zählen nicht als Zimmer. Die Geflüchteten sollten ausserdem Zugang zur Küche haben, sei es um selber zu kochen oder um von dir versorgt zu werden. Und selbstverständlich uneingeschränkten Zugang zum Badezimmer. Solltest Du Haustiere haben, bitten wir Dich, dies im Formular zu vermerken. Ferienwohnungen mit entsprechender Ausstattung gelten als geeignet.

Können Flüchtende in privaten Unterkünften beherbergt werden?

In der Schweiz ansässige Personen können ukrainische Staatsangehörige freiwillig bei sich zu Hause aufnehmen, sofern die Unterbringung unentgeltlich ist. Wird dem Gast die Unterkunft in Rechnung gestellt, muss seine Ankunft bei der zuständigen kantonalen Behörde gemeldet werden.

Wie läuft eine Vermittlung ab?

Geflüchtete aus der Ukraine können sich in einem Bundesasylzentrum anmelden. Sie werden anschliessend durch das Team eines Hilfswerkes (HEKS, SRK, SAH Zürich, SOS Ticino, Caritas oder Heilsarmee) in Empfang genommen und es wird geklärt, ob eine Vermittlung in eine private Unterbringung möglich ist. Die Hilfswerke haben dabei Zugriff auf eine Datenbank mit Ihren Angaben zum Wohnraumangebot. Gibt es einen möglichen Match von Ihren Angaben und den Angaben der geflüchteten Person werden Sie telefonisch oder per Mail kontaktiert, um offene Fragen zu klären. Im Regelfall wird ein Kennenlerngespräch vereinbart. Bei hohen Asylgesuchszahlen muss aus zeitlichen Gründen auf ein gemeinsames persönliches Gespräch verzichtet werden. Sind beide Seiten mit der Vermittlung einverstanden, erhalten sie eine schriftliche Bestätigung mit den jeweiligen Kontaktangaben. Die Schutzsuchenden können anschliessend das Bundesasylzentrum verlassen und in die Privatunterbringung wechseln. Nach der Vermittlung erhalten die Geflüchteten und die Gastfamilien von uns weiterführende Informationen und werden über die zukünftige Ansprechperson und –organisation informiert. Damit die rechtliche Situation und die gegenseitigen Erwartungen besser geklärt sind, wird Ihnen zudem eine schriftliche Vereinbarung über die Unterbringung zugestellt.

Weshalb ist eine private Unterbringung überhaupt sinnvoll/notwendig?

Eine Unterbringung bei einer Gastfamilie ist für die Geflüchteten gerade in den ersten Monaten von grossem Wert. Sie hilft den Menschen, sich hier willkommen zu fühlen und sich rascher zu integrieren. Durch das Zusammenleben mit bereits hier wohnhaften Menschen wird die Teilhabe am sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben in der Schweiz erleichtert. Der gegenseitige Austausch kann auch zu langfristigen Verbindungen führen und eine positive Dynamik entwickeln – das ist gelebte Integration!

Ich kann keine Unterkunft anbieten. Wie kann ich sonst helfen?

Inspiration zum Thema Helfen finden Sie im folgenden Artikel des Beobachters: https://www.beobachter.ch/gesellschaft/hilfe-fur-fluchtlinge-in-der-schweiz-so-konnen-sie-auch-mit-wenig-zeitaufwand-helfen

Bekomme ich finanzielle Unterstützung, wenn ich Flüchtende aufnehme?

Die Kantone erhalten vom Bund eine Abgeltung für die Unterbringung und Betreuung der Schutzsuchenden. Die Gastfamilien können somit für die Unterbringung von Geflüchteten entschädigt werden. Mehr Informationen zu finanziellen Unterstützungen können Sie beim jeweiligen kantonalen Migrationsamt anfragen.

Wie sieht es mit den Kosten (Verpflegung, Taggeld, Haftpflichtversicherung) aus?

Geflüchtete im Asylverfahren oder Schutzsstatus S haben Anrecht auf finanzielle Unterstützung durch den Staat. Auch Geflüchtete ohne finanzielle Mittel, die nicht in ihr Land zurückreisen können, haben ungeachtet ihrer aktuellen (nicht-)Registrierung ein Anrecht auf Sozialhilfe. Die genauen Beträge können beim Staatssekretariat für Migration (SEM) erfragt werden.

Müssen Flüchtende bei der Krankenkasse versichert werden?

Ukrainerinnen und Ukrainer können sich 3 Monate lang visums- und bewilligungsfrei in der Schweiz aufhalten, zum Beispiel also bei Verwandten oder Privatpersonen wohnen. In diesem Fall untersteht die Person nicht dem Krankenversicherungsobligatorium. Allenfalls verfügt sie über eine Reiseversicherung oder ihre Gastgeber haben eine Gästeversicherung abgeschlossen. Sobald sich eine schutzbedürftige Person bei einem Bundesasylzentrum meldet und dort ein Gesuch um Schutzstatus S einreicht, wird sie nach der Kantonszuweisung vom Kanton rückwirkend auf den Zeitpunkt der Gesuchstellung für die obligatorische Krankenversicherung angemeldet. Die Kosten für die Prämien und Kostenbeteiligungen (Franchise und Selbstbehalt) werden den Kantonen vom Bund mit der Ausrichtung der Globalpauschalen subventioniert. Benötigt eine bedürftige Person schon vor der Beantragung des Schutzstatus S sofortige medizinische Hilfe und verfügt sie über keine Krankenversicherung, so übernimmt die öffentliche Hand die Kosten. Viele Gesundheitsinformationen aus der Schweiz sind auf der Webplattform www.migesplus.ch ersichtlich – dort gibt es auch wichtige, spezifische Informationen für Schutzsuchende aus der Ukraine.

Nützliche Informationen zur Unterbringung von Schutzbedürftigen, wie etwa der rechtlichen Situation, Vermietung und Untervermietung sowie Merkblätter und Vertragsvorlagen in Deutsch/Ukrainisch, Französisch/Ukrainisch und Italienisch/Ukrainisch gibt es hier: https://www.svit.ch/de/services/unterbringung-von-schutzbeduerftigen

Was ist, wenn ich Probleme mit den bei mir untergebrachten Geflüchteten habe?

Beide Seiten sollen sich wohlfühlen und sicher sein. Wir und/oder Partnerorganisationen bleiben für beide Seiten erreichbar. Sollte das Arrangement nicht funktionieren, werden wir uns um eine Lösung bemühen. Aber Achtung: Wir sind nicht die Polizei! Bei strafrechtlichen Vergehen, bitten wir Dich aber auch die Geflüchteten sich an die Polizei zu wenden. Jegliche (!) Art von Belästigung oder Missbrauch wird NICHT geduldet.

Wir haben eine Person bei uns, die krank ist und Anzeichen von Corona hat. Wie müssen wir vorgehen?

Nach Möglichkeit soll die Person isoliert werden und mit dem Nötigsten versorgt werden. Folgen Sie den Anweisungen des Bundesamts für Gesundheit (siehe BAG-Webseite zum Thema Corona-Isolation). Bei einem schweren Krankheitsverlauf soll mit medizinischem Fachpersonal Kontakt aufgenommen werden und allenfalls ein Transport ins nächstgelegene Krankenhaus organisiert werden.

Welche Bedürfnisse sollten bei der Unterbringung berücksichtigt werden?

Ein stabiles Umfeld: stellen Sie sich darauf ein, die Geflüchteten mindestens für drei Monate aufzunehmen. Privatsphäre: Idealerweise bieten Sie ein abschliessbares Zimmer oder zumindest abgegrenztes Zimmer an. Sanitäreinrichtungen: Zugang zu Badezimmer und Küche/Kochgelegenheit sind wichtig. Offenheit: Es ist ideal, wenn Sie als Gastgeber:in auch etwas Zeit einplanen, um den Geflüchteten im Alltag zu helfen und sie zu unterstützen.

Was gilt es Spezielles zu beachten im Umgang mit geflüchteten Personen?

Alle Menschen sind froh, wenn sie genügend Privatsphäre haben. Wir vermitteln aus diesem Grund nur Personen in Wohnungen mit einem eigenen Zimmer. Viele Geflüchtete haben existenzielle Sorgen und stehen unter einer Dauerbelastung. Im Herkunftsland herrscht Krieg und viele Verwandte, Freunde und Bekannte befinden sich noch im Krisengebiet. Mit dieser Belastungssituation gehen alle Menschen unterschiedlich um. Obwohl uns die Geschichte der Geflüchteten interessiert und wir Anteil nehmen möchten, sollten die Geflüchteten von sich aus das Thema ansprechen können. Gerade belastende Erfahrungen will man nicht jederzeit teilen. Geflüchtete haben oft viel erlebt – im Herkunftsland und auf der Flucht. Es können Traumatisierungen vorhanden sein. Traumatisierungen und Anzeichen von posttraumatischen Belastungsstörungen sind oft nicht sofort erkennbar oder eindeutig zuzuordnen. Das Schweizerische Rote Kreuz bietet viele weiterführende Informationen in verschiedenen Sprachen und den Betroffenen professionelle Unterstützung.

Was muss für das Zusammenleben beachtet werden?

Grundsätzlich ist es wichtig, die gegenseitigen Erwartungen zu klären. Gehen Sie mit Offenheit auf die Personen zu, das gemeinsame Zusammenleben muss sich entwickeln können ohne bereits allzu starren Vorstellungen zu unterliegen. Wie in jeder Wohngemeinschaft werden dabei sicher neue Fragen und Diskussionen aufgeworfen. Im gegenseitigen Gespräch und mit Verständnis für die jeweilige Situation des Gegenübers können sicher konstruktive Lösungen gefunden werden. Unsere Erfahrung aus den Gastfamilienprojekten während der Syrienkrise zeigt, dass mit einer offenen Haltung und der Klärung von Erwartungen diese Form des Zusammenlebens von allen Beteiligten als grosser Gewinn wahrgenommen wird! Bei Konflikten steht Ihnen die Partnerorganisation als erste Anlaufstelle beratend zur Verfügung.

Wie können wir uns mit den Flüchtenden verständigen?

Falls Sie einen Dolmetscher:in benötigen können Sie von der Allianz-Hotline gebrauch machen: +41 (0)58 358 50 00. Es werden Übersetzungen zwischen Russisch, Ukrainisch und Deutsch angeboten.